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Ostsee-Segler.de

     Ein kleiner Bericht über einen Charter Solotörn mit einer Hanse 301 .

24.04.02. - 03.05.02.

Hanse 301(Die Bilder lassen sich vergrößern.)

Der Ausgangshafen war Flensburg, wo das Schiff von Firma Kösling auf einem Gemeinschaftsstützpunkt mit Firma Lüder Meyer betreut wurde.
Idealer Weise konnte ich bereits einen Tag eher anreisen und auf dem Schiff schlafen. Ich war somit schon am Dienstag um 19:00 Uhr in Flensburg und bezog das Schiff, welches mir von früheren Törns her gut bekannt war.
Die Übergabe war dann für Mittwoch 08:00 Uhr verabredet, und ging dann auch zügig und ohne Löffel zählen von statten.
Diesmal sollte es nun ein Solotörn werden. Dafür ist die Yacht, ausgestattet mit Rollgenua (bzw. Fock) und zugleich als Selbstwende, bestens geeignet. Das Großsegel hat zwei Reffs (single-line), die sich allein vom Cockpit aus einziehen lassen. Mit Hilfe der Lazy Jacks ist auch das "Auftuchen " alleine ganz gut zu händeln. Die elektronische Selbststeueranlage für die Pinne funktionierte zufriedenstellend. Natürlich muss des öfteren von Hand korrigiert werden, insbesondere bei stärkerem Seegang und Vorwindkursen. Damit man jedoch für ein paar Minuten die Hände frei hat um das Groß einzuholen und die Leinen zum Anlegen klariert werden können, sowie die Fender ausgehängt, oder für eine Kuchenpause und die Suche nach dem Sonnenöl, ist die Funktion vollkommen ausreichend. 

Selbststeueranlage

Mittwoch, 24.04.02
Ich lege um 10:00 Uhr ab und segel zeitweise auch mit Motorunterstützung bei 2 Windstärken aus N-W nach Sonderburg, wo ich um 15:30 Uhr die Brücke nach Norden passiere. Im Gegensatz zu früher, als man nie so ganz genau wußte wann die Brücke denn wohl mal hochgeht, wird die Öffnungszeit der Brücke nun auf einer Tafel angezeigt. Praktisch. Im Alssund dreht der Wind  natürlich auf Nord, so dass die schöne Bucht von Dyvig mein erstes Etappenziel für diesen Tag bleibt. Als einziger Gastlieger dort habe ich freie Auswahl bei den Boxen. Die Handhabung der Yacht alleine war bis jetzt nicht schwierig, nun war allerdings auch nicht sonderlich viel Wind, außerdem ist die Flensburger Förde und der Alssund natürlich gut geschützt. (Tagesweg durchs Wasser 36 Seemeilen.)

Dyvig

Donnerstag, 25.04.02
Bei  W-S-W um 2-3 Kurs Nord. An die Genua habe ich zur Selbstwendeschot eine zusätzliche Schot angeschlagen, um sie unabhängig von der Selbstwendeschiene über einen Holepunkt voll rauszuholen. Die Genua in voller Größe ist zu groß, um sie über die Selbstwendeschiene zu fahren. Wenden oder Halsen ist heute vermutlich eh nicht angesagt. Als die Logge unter 2 kn fällt, spiele ich mit dem Gedanken den Anlasser zu betätigen. Da ich jedoch gestern viel motort habe, aber ansich keine Lust dazu habe, werfe ich das Meilenfresserdenken über Bord und genieße bei Sonnenschein schönes Segeln mit im Schnitt drei Knoten, egal wo ich abends lande. Für eine gute Stunde bekomme ich dann auch noch Gesellschaft von einigen "Ostsee - Tümmlern", die Spass daran haben, immerzu das Boot zu umkreisen. Die Hafenentscheidung fällt dann auf Assens. Der Hafen hat einen riesigen Vorhafen, wo man in aller Ruhe das ganze Gerödel zum Anlegen vorbereiten kann. (Tagesweg durchs Wasser 25 Seemeilen.)

Begleitung nördlich AlsBegleitung nördlich AlsBegleitung nördlich Als

Freitag, 26.04.02
Früh um 08:00 Uhr unter Groß und Genua weiter nach Norden. Schönes Segeln bei Westwind Stärke 3. Um 14:00 Uhr in der Enge bei Middelfart unter den Brücken stehe ich trotz prall gefüllter Segel fast auf der Stelle. An den Brückenpfeilern ist die starke Gegenströmung zu sehen. Ich nehme den Motor zu Hilfe und passiere um 15:00 Fredericia. Der Wind nimmt deutlich zu auf 4-5. Über Funk höre ich von einer dänischen Funkstelle eine Sturmwarnung, bekomme aber nicht alles mit und weiß auch nicht für welches Gebiet. Von früheren Törns weiß ich allerdings, dass die Dänen damit immer Recht behalten haben. Das Groß kommt ganz runter. Bei zunehmendem Wind und strömendem Regen segel ich unter gereffter Genua noch die 10 sm bis Bogense. Im Hafen drehe ich zwei Ehrenrunden, bis dann endlich eine Box meine Zustimmung findet. In Lee liegt eine Segelyacht mit vielen dicken Fendern, also rein da. Vom Steg fängt sogar jemand eine Vorleine auf und hilft mir beim Festmachen. Glück gehört eben dazu. (Tagesweg durchs Wasser 42 Seemeilen.)

Middelfart

Samstag, 27.04.02
Sturmtief "Vicky" zieht durch. N-W 7 mit Sturmböen bedeutet für mich ein Hafentag in Bogense. Macht aber nichts, denn die Sonne scheint und der Ort ist für eine Zwangspause nicht der schlechteste, finde ich. Trotz gekreuzter Heckleinen habe ich Schwierigkeiten, dem Nachbarlieger nicht zu sehr auf die Pelle zu rücken. Kaum war ich gestern in der Box fest, war mein nächster Gedanke auch schon, wie ich da je wieder alleine raus komme. Entgegen meinem Vorhaben wie etwa Samso oder rund Fünen, plane ich nun Angesichts des Pfeifens, auf der sicheren Seite im kleinen Belt wieder nach Süden zu segeln. Hauptsache ein paar schöne Segeltage denke ich mir.

Sonntag, 28.04.02
Der Seewetterbericht auf NDR 4 meldet für Belte und Sund W 5-6, süddrehend, See 1,5 m mit Starkwindwarnung. Um 06:00 Uhr erwische ich den richtigen Moment um aus der Box raus zu kommen.
Nur unter Genua geht's zurück in die Enge bei Middelfart. Hat man nicht gerade einen Amwindkurs und möchte Höhe laufen, so segelt die Hanse auch sehr flott ohne Groß. Die theoretische Rumpfgeschwindigkeit von 6,8 kn ist bei 1,65 m Tiefgang und 13,5 m hohem Mast auch auf der Logge keine Seltenheit. Entsprechend frühzeitig ist ans reffen zu denken, für mich jedenfalls. Um 15:00 stehe ich 2 sm nördlich der kleinen Insel Brandso, in der Hoffnung, noch bis Assens zu gelangen. Daraus wird aber nichts, denn Wind (S-O 6-7) und Seegang stehen mittlerweile genau gegenan und unter Segel gelingt es mir nur ganz minimal Höhe gutzumachen. Bei einem Versuch unter Motor erreiche ich 1-2 kn. Außerdem ertönt dann noch das Warnsignal, so dass ich den Motor sofort abstelle. Nur unter gerefftem Vorsegel lasse ich mich mit 6-7 kn zurück in den Fano Sund wehen. Der Volvo Penta MD 2010 mit 7,4 KW  ist für eine derartige Beanspruchung nunmal nicht ausgelegt.
Von Süden wehe ich bei strömendem Regen, alles grau in grau, direkt in den Hafen Russelbaeck. Was soll's, hauptsache bei mir und dem Boot ist alles in Ordnung. Im Hafen habe ich dann einen Steg für mich alleine. (Tagesweg durchs Wasser 48 Seemeilen.)

Montag, 29.04.02
Es weht ununterbrochen. Der Seewetterbericht auf NDR 4 meldet S-O Stärke 7, See 2 Meter. Räume ich halt mal auf und fülle den Dieseltank randvoll. Die Berechnung des Verbrauchs pro Stunde ergibt genau 1,1 Liter. Nach einer Hagelböe kann ich einen Schneemann auf dem Boot bauen. Dann kommen plötzlich aus dem Dunst noch zwei größere Segelyachten in den Hafen und beanspruchen einen Liegeplatz an meiner "privaten" Boxenreihe. Sie waren ebenfalls auf dem Weg nach Süden, kehrten dann aber wieder um. Das bringt mir zwar gar nichts außer ein bisschen Gesellschaft, ich freue mich aber "diebisch" , dass auch andere Crews mit stärkeren Schiffen mein "Schicksal" zu erleiden haben.

Die nächste Böe ist gleich da.

Dienstag, 30.04.02
Nichts neues vom Wetter. Immer noch S-S-W um 7 mit Sturmböen. Den dritten Tag aus der gleichen Richtung. Der Seegang hat sich dementsprechend erhöht. Zwischendurch immer mal aktuelle Sturmwarnungen in englischer Sprache von einer dänischen Küstenfunkstelle über UKW. Belte und Sund 17 m/s . Ich veranstalte ein ausgiebiges Protestessen mit dänischem Gebäck. Bringt aber auch nichts. Da denkt man sich nach Norden zu segeln, denn dann kommt man immer gut zurück, weil Südwind doch eher selten ist. Wie war der Spruch? Je mehr man plant, desto dümmer trifft einen der Zufall. Aber für morgen lautet die Wettermeldung ja immerhin auf abnehmend 5 und rechtsdrehend.

Mittwoch, 01.05.02
Mit viel Phantasie läßt sich gegen Mittag ein leichtes Abflauen erahnen. Auch die Wolken ziehen nicht mehr so schnell. Die zwei anderen Yachten laufen aus. Ich warte noch ein bisschen ab. Um 16:00 werfe ich ebenfalls die Leinen los und segel unter gerefftem Groß bis nahe Bago. Der Wind hat wirklich nachgelassen, es geht ganz gut. Auch der Seegang beruhigt sich schneller als ich dachte. Ich nehme nicht den direkten Weg, um noch ein wenig zu segeln. Bis Assens ist es ja nicht weit. Die Zwangshafentage sind dann unter Segel schnell vergessen. Navigiere wie immer nur aus dem Cockpit, die Seekarte für das Gebiet in einer Schutzhülle am Niedergang festgeklebt. In diesem Gebiet gibt es fast immer irgend einen Küstenstreifen oder eine Insel zu sehen, natürlich einigermaßen Sicht vorausgesetzt. Die Steilküsten oder auch die Windräder eignen sich sehr gut, um in Zusammenhang mit Kurs und Logge den Standort zu bestimmen. Für eine Eintragung in der Karte (auf der Folie) habe ich immer einen wasserfesten Edding in der Tasche, den ich jedoch nicht brauchte. Im Zweifel hätte ich natürlich auch das an Bord befindliche GPS zu rate gezogen. Ab Bago motore ich dann, denn der Wind dreht zunehmend auf meine Nase und angesichts der von Westen aufziehenden Regenfront möchte ich ganz gern in den Hafen. Für morgen ist N-O 3 gemeldet, dass wäre gut um von dort nach Sonderburg zu segeln. 2 sm vor der Hafeneinfahrt bricht dann das Unwetter herein, die weißen großen Silos und auch alle Landsicht ist auf einmal weg. Ich freue ich mich schon auf eine heiße Dusche und lasse alles über mich ergehen. Was soll ich auch sonst tun. Um 21:00 liegt der Landstrom.  (Tagesweg durchs Wasser 23 Seemeilen.)

Navigation

Donnerstag, 02.05.02
Leinen los um 09:00 Uhr bei Windstärke 1. Also motore ich bis etwa 4 sm nördlich der Insel Als. Bei zunehmendem Wind dann unter Genua und Groß weiter bis zum "Sundeingang". Auch diesmal sind hier in dem gleichen Gebiet wieder die Tümmler auf Tour. Im Alssund segel ich mit 4-5 Knoten nur unter Genua bei leichten Winden. Um 16:00 Uhr macht die Brücke genau passend auf. Ich überlege, ob ich noch weiter in Flensburger Förde segeln soll, bis Langballigau eventuell, entscheide mich dann jedoch für den Stadthafen in Sonderburg, um noch ein bisschen Dänemark zu genießen. Hier im Stadthafen ist eine gute Atmosphäre. Morgen dann noch rüber nach Flensburg, bis 17:00 Uhr werde ich da ja wohl sein. Dann muß ich das Schiff wieder abgeben. (Tagesweg durchs Wasser 34 Seemeilen.)

Freitag, 03.05.02
Das andere Ufer vom Stadthafen ist wegen dichtem Nebel nicht zu sehen. Unter diesen Umständen werde ich nicht auslaufen, schon gar nicht in die Förde. Hoffentlich ist es nur Frühnebel, der sich mit aufsteigender Sonne und eventuell aufkommendem Wind verzieht. Das habe ich vor zwei  Jahren allerdings auch schon mal gehofft, der Nebel blieb jedoch drei Tage. Ich überlege wann ich den Vercharterer anrufe, um zu fragen, ob das Schiff morgen in Folgecharter geht. Um 11:00 Uhr wird die Sicht dann zum Glück etwas besser, so dass ich es riskiere. Da ich ja noch ein bisschen Glück gut habe, klart es sogar zunehmend auf. Ich motore bei Westwind der Stärke 1-2 nach Flensburg. Um 16:00 erfolgt die Übergabe. Auch diesmal in zügiger kompetenter Art, und ohne Diskussionen über Restmengen der angeschlagenen Gasflasche, oder ähnliche Punkte. Auf das Abtauchen hätte ich warten können, war mir aber egal. Die Kaution war nach drei Tagen auch so auf meinem Konto. (Tagesweg durchs Wasser 22 Seemeilen.)

15.05.02

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